
Motorradbekleidung gibt es in verschiedenen Variationen. Man unterscheidet hier den Schutz vor den Unbilden des Wetters und den
Schutz vor Stürzen. Für den Schutz vor dem Wetter gibt es relativ dünne
Overalls aus Kunststoff für den Sommer und sogenannte
Thermoanzüge
für den Winter. Das ganze wird dann von den Überziehern für Handschuhe und
Stiefel komplettiert. Ein immer wieder gesehener Aufdruck auf den Kombis
dokumentiert des Bikers Meinung zur momentanen Situation:
"Scheiss Wetter"
steht mit grossen Lettern auf dem Rücken, hinter dem die Gischt hoch spritzt.
Für den Schutz des Körpers gibt es verschiedene Möglichkeiten. Von der guten alten Wachsjacke, der Lederhose aus dickem Rindsleder und der Lederjacke aus demselben Material und der Lederkombi, gesellen sich noch die Produkte aus der modernen Forschung.
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»Wer mit alter, schlechter oder billiger Motorradbekleidung Motorrad fährt, ist hirnlos.«
Das sagt der Chef der Unfall-Chirurgie am Berliner Helios-Klinikum. Er hat genügend schwere und schwerste Verletzungen leichtsinniger Fahrer auf dem OP-Tisch behandelt, die sich mit dem richtigen Outfit hätten vermeiden oder mildern lassen. Seine Devise: »Beim Motorrad darf man aufs Geld schielen, bei der Sicherheitskleidung niemals!«
Stellt sich nun die Frage: Textil oder Leder? Abgesehen von optischen
Gesichtpunkten gibt es natürlich auch noch sicherheitstechnische.
Allerdings scheint der Siegeszug der Textilkombis unaufhaltsam. Sie sind leicht, bequem, relativ wetterfest und haben ein hohes Sicherheitsniveau. Doch selbst hochwertigstes Kunstfaser-Gewebe erreichte bei
Material-Prüfungen eines renomierten Prüflabors nicht die Abriebfestigkeit eines guten Leders. Ein weiteres Argument für Leder: Bei gut anliegenden Lederkombis sitzen die eingearbeiteten
Protektoren zuverlässiger an ihrem »Einsatzort«, als in den meist weiter geschnittenen Textil-Anzügen. Und was ist mit dem
Klimaausgleich im Sommer? Dem begegnen
Lederkombi-Hersteller zunehmend mit Perforierungen und »Cool Leather«, das dank Spezialbehandlung die Sonnenstrahlung abweist. Weiterer
Trend ist wasserabweisendes Leder in Verbindung mit innen aufgebrachter Funktionsmembran (z.B. GoreTex). Das hält auch längeren Güssen
stand, ersetzt aber keinesfalls eine Regenkombi.
Wer sich neu ausstatten will, kommt um die persönliche Beantwortung der Eingangsfrage »Textil oder Leder« nicht herum. Tourenfahrer, Soft-Enduristen, Cruiser und All-Seasons-Biker werden zu Textil tendieren, sportlichere Fahrer werden mit Leder liebäugeln. Doch es gibt einen Mittelweg: Kombinationen aus beiden Materialien; sie vereinen die Schutzeigenschaften des Leders an sturzrelevanten Stellen mit der Bequemlichkeit und reichhaltigen Ausstattung von Textilanzügen. Wichtig: Stellen Sie sicher, dass Ihr neuer Anzug im Falle eines Falles wieder repariert werden kann!
Absolutes Muss ist die persönliche Anprobe, am besten mit kompetenter Beratung und ohne Zeitdruck! Ein guter Verkäufer erkennt, was der Kunde wirklich benötigt, welcher Fahrertyp er ist, welche Schutzkleidung für ihn sinnvoll ist. Unbedingt mehrere Anzüge – und das stets auch auf dem Motorrad – anprobieren. Dabei dringend beachten:
Drücken Falten in den Kniekehlen oder im Beckenbereich? Was bei der Anprobe nur ein bisschen zwickt, kann während einer längeren Tour zur Tortur werden.
Sitzen die Protektoren sicher dort, wo sie hingehören, oder rutschen diese hin und her?
Sind die Nähte und Reißverschlüsse stabil? Ausserdem gilt, je mehr Nähte, umso mehr Schwachstellen. Scheuergefährdete Stellen (Schulter, Ellbogen, Gesäß, Knie) müssen doppellagig verarbeitet oder besser noch mit reißfestem Kevlar ausgestattet sein.
Bei Textilanzügen: Tragen die herausnehmbaren Protektoren das CE-Zeichen?
Sitzt die Textilkombi noch einwandfrei, wenn das Innenfutter entfernt ist?
Passt unter das Leder-Outfit noch dicke, warme Unterwäsche?
Und wieviel darf’s kosten? In dem Fall ist Geiz sicher nicht geil. Sicherheit hat ihren Preis. Wer zuwenig ausgibt, kann mit dem Leben bezahlen oder zumindest mit seiner Gesundheit.
Auf was nun die Wahl fällt, bleibt den eigenen Vorlieben überlassen. Sportlichere Fahrer Bevorzugen meist Lederkombis, Tourer und Enduristen greifen oft zur Textilkombi.